Ernst Schütte

Hessen, 06. Landtag, Mitglied (SPD), 1966-1970
Hessischer Kultusminister 1959-1969
Vorsitzender des Kuratoriums und des Großen Rats der Universität während seiner Amtszeit

Der „Kulturbulle Schütte
So wird der Hessische Kultusminister während eines Teach Ins am 8. Januar 1969 auf einem Plakat tituliert!

8. Januar 1969 Schütteauftritt auf einem Teach in

Portrait

Antonia Grunenberg in der Zeit vom 24. September 1965 über die Rolle des Kultusministers:

„Zudem müßten, meint der Minister, die Hochschullehrer gewußt haben, wie intensiv er über die Nöte der Hochschulen nachdenkt. Im vergangenen Jahr hielt er ein leidenschaftliches Plädoyer für die Hochschulreform auf der Universitätswoche in Münster, in dem er das 150 Jahre alte Postulat von Forschung und Lehre, gar nicht zimperlich, als Illusion bezeichnete. Als Beweis zitierte er seine eigenen Studentenjahre in den dreißiger Jahren: „Wenn man mich fragte, ob ich damals, als die großen Universitäten dreitausend Studenten aufnahmen, jemals an der forschenden Schöpfung meiner Lehrer teilzunehmen die Gelegenheit gehabt hätte, so müßte ich entschieden nein sagen, und mit mir 98 Prozent aller damaligen Studenten. Ich schätze, daß es heute 99 Prozent sind.“

Das Idealbild eines Hochschullehrers ist ihm sein eigener Lehrer Theodor Litt: „War der ein Forscher?“ fragt er temperamentvoll. „Er hat die geistige Welt durchdrungen. Aber er war vor allen Dingen der große Lehrer. Da habe ich gesessen und meine geistigen Grundlagen erhalten. Das hat mich geprägt.“

Und er zitiert Max Weber: „Es kann jemand ein ganz hervorragender Gelehrter sein und ein geradezu entsetzlich schlechter Lehrer.“ Und vor schlechten Lehrern an überfüllten Hochschulen graut dem Minister, besonders da er dem Einfluß guter Pädagogen auf sein eigenes Leben die größte Bedeutung beimißt: schon der Volksschullehrerin in Wanne-Eickel, später dem Privatdozenten in München, der ihn als Sekretär beschäftigte unter der Bedingung, daß er sein Abitur nachholte.

„Heute werde ich in der Luft zerrissen“, meinte Schütte, bevor er den münsterschen Vortrag hielt. „Aber ich sag’s mal.“ Nun – sein Auditorium klatschte frenetisch Beifall. Die hess schen Hochschullehrer igelten sich erst ein, als sie des Ministers Ideen in der Regierungsvorlage zur Hochschulreform wiederzuerkennen glaubten.

Der Minister wunderte sich: „Wenn ich in etwas Ordnung reinbringen will, heißt es ‚Verschulung‘. Ist Schule denn etwa ein Schimpfwort?“

Für die Notfälle, in denen die „nötigende Macht“ der Vernunft nicht zieht, möchte er – als „ultima ratio“ – auf das Oktroi nicht verzichten. Ein Beispiel: „Unsere Abgeordneten kommen von Auslandsstudienreisen zurück und sagen: Bildungsökonomie wird immer notwendiger, oder auch: die Arbeitsmedizin. Aber bei uns bekommt man dafür keinen Lehrstuhl. Diese Notwendigkeit, die die Universitäten von selbst nicht einsehen, müssen berücksichtigt werden können, notfalls durch das Oktroi.“

Das klingt dem Laien gut im Ohr: „Wir sollen doch zugeben, daß etwas nicht in Ordnung ist.“ Verständnis bringt man aber auch auf für die Furcht der Professoren vor eine.“