Hartmut Riehn

geb. am 30. September 1935 in Barchfeld/Thüringen als Sohn des protestantischen Pfarrers Johannes Riehn. 3 Geschwister, verheiratet, 1 Tochter und 2 Söhne.

Er hat das Glück, von einem Vater erzogen zu werden, der als Mitglied der Bekennenden Kirche und des Pfarrernotbundes das Naziregime ablehnt und die aufziehenden Gefahren des faschistischen Systems erkennt.

Pfarrer Johannes Riehn

Eindrucksvoll belegt dies dessen folgender Eintrag vom 2. August 1937 in das Gästebuch seines Schwiegervaters, Friedrich Heinrichs, der im Jahr 1937 nach seiner Pensionierung als Missionar in Deutsch Süd-West – heute Namibia – in Berlin-Steglitz lebt.
Er berichtet, Dutzende Pfarrer und Laien seien inhaftiert oder ausgewiesen worden. Die Kirche als Schiff auf hoher See drohe im Sturm unterzugehen. Dann betet er gleichsam:

Aber der Herr in der Höhe ist mächtiger als das Ungetüm.”

Gemeint ist das Ungetüm Hitler!

Der Autor diese Internetauftritts befindet sich also nicht in der Situation anderer junger Menschen, deren Eltern sich zum Naziregime bekannt haben und nun ihre Vergangenheit verdrängen. Es besteht kein Anlass, sich von ihnen zu distanzieren oder sie gar zu stigmatisieren.

Nach dem frühen Tod des Vaters zieht die Familie aus der sowjetisch besetzten Zone zunächst nach Marburg/Lahn, dann nach Waldeck am Edersee und später nach Bad Wildungen um. Dort wegen der Nachkriegsumbrüche Abitur erst 1957. Studium der Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, der LMU München und der Philippsuniversität Marburg. Nach Heirat und Referendarzeit in Marburg/Lahn Beginn der Berufstätigkeit im Rektorat der Johann Wolfgang Goethe-Universität bis 1980 im Rang eines Regierungsdirektors. Parallel hierzu juristischer Berater der  Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/Main (Rektorate Philipp Mohler dann Hans-Dieter Resch) und Dozent an der Städtischen Frankfurter Bibliotheksschule sowie ehrenamtlicher Vorsitzender der Marburger Musikschule mit über 900 Schülern. Anschließend bis 30. September 2000 Verwaltungsrichter am Verwaltungsgericht Gießen, stets zuständig für Hochschul- und Prüfungsrecht aber auch Asylrecht. Referent an den Richterakademien Trier und Wustrau. Seit Oktober 2000 niedergelassener Rechtsanwalt in Berlin mit den Spezialgebieten Hochschulrecht und Kapazitätsrecht. Siehe hierzu: www.hochschulanwalt.de. Zudem Geschäftsführer der Akademie für Hochschulrecht (AkHO). Siehe hierzu: www.akaho.de. Verfasser zahlreicher Fachaufsätze vor allem auf dem Gebiet des Arzthaftungsrechts.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Anhang Die Rolle der bekennenden Kirche in der Nazizeit:

Gegen die Gefahr einer Überschwemmung und Durchdringung des Protestantismus durch nationalsozialistisches Gedankengut – insbesondere Führerprinzip und Arierparagraphen -, wie sie bei den evangelischen Kirchenwahlen am 23.07.1933 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für die Deutschen Christen und deren Reichsbischof Müller offensichtlich geworden war, hatte sich im September 1933 unter Pfarrer Martin Niemöller aus Berlin-Dahlem eine Opposition in Gestalt des »Pfarrernotbundes« gebildet, die zu einer inneren Spaltung der Evangelischen Kirche geführt hatte . Dem Pfarrernotbund hatten sich bis Januar 1934 über 7000 Pfarrer angeschlossen . Der Versuch, die Gegensätze zu überbrücken, die Pfarrernotbund-Initiatoren zu isolieren und das Kirchenregiment des Reichsbischofs durchzusetzen , scheiterte. Gleichzeitig wagte Hitler, auch mit Blick auf die im Januar 1935 anstehende Abstimmung im Saargebiet, kein energisches Durchgreifen zugunsten der nationalsozialistisch orientierten Deutschen Christen . Von Mai 1934 an entstand trotz der inzwischen erfolgten Amtsentlassung Niemöllers und anderer, mit der Barmer Bekenntnissynode eine förmliche Gegenorganisation gegen das Müllersche Kirchenregiment .
Der Widerstand des Pfarrernotbundes erlahmte nicht . Im Oktober 1934 hielt man eine zweite Bekenntnissynode in Berlin-Dahlem ab, die dem Reichsbischof offen den Kampf ansagte und den »Rat der Deutschen Evangelischen Kirche« als förmliche Gegenorganisation ins Leben rief und das »kirchliche Notrecht« verkündete . Reichsbischof Müller verlor schnell an Einfluß und erlitt schließlich einen völligen Autoritätsverlust . Die Gleichschaltung der protestantischen Kirche war damit gescheitert (siehe dazu ausführlich: Broszat , Staat Hitlers , S. 283 ff. ; Aleff, Eberhard : Das Dritte Reich, Hannover 1970, S . 51 ff. ) .

Der bereits am 11.11.1933 seines Amtes enthobene Dahlemer Pfarrer Martin Niemöller, aktivster Führer der oppositionellen Bekennenden Kirche und Gründer des »Pfarrer-Notbundes « , wurde am 2.7.1937 verhaftet und blieb bis 1945 in Konzentrationslager-Haft.

In seinem Tagebuch kommentiert Goebbels am 8.2.1938 (Seite 1204) die Strafe Niemöllers wie folgt:
“Dieses Schwein von Niemöller sollte ich vor der Flinte haben!”

Als Niemöller ein Gnadengesuch einreicht, reagiert Goebbels höhnisch (Seite 1512): “Niemöller bittet um Gnade . Kommt nicht in Frage. Soll gut essen, dick werden , daß niemand ihn mehr mit einem Märtyrer verwechseln kann.”

(Jospeh Goebbles, Tagebücher 1924 – 1945, Band 1, Herausgegeben von Ralf Georg Reuth, Piper München Zürich, 3. Auflage 2003)

Goebbels agitierend

Seite ansehen