Hartmut Riehn

Universitätsrat und Leiter der Rechtsabteilung der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Sohn des evangelischen Pfarrers Johannes Riehn und seiner Ehefrau Elisabeth Riehn geb. Heinrichs, 3 Geschwister. Autor des vorliegenden Internetauftritts. – Politische Einstellung: Kritischer Verfechter unserer Demokratie; Gegner einer identitären Politik, die droht, unsere Gesellschaft zu zerstückeln; Feind einer Ideologie der Erwählten.

Studentenbewegung Bild Hartmut Riehn

Die Eltern

Hartmut Riehn hat das Glück, von Eltern erzogen zu werden, die sich nicht mit dem Nazi-Regime arrangieren oder es gar unterstützen. Sein Vater ist Mitglied der Bekennenden Kirche, die es ausdrücklich ablehnt und die Gefahren des faschistischen Systems erkennt. Er befindet sich also in der Epoche der Studentenbewegung nicht in der Situation anderer junger Menschen, deren Eltern sich zum Naziregime bekannt haben und nun nach Kriegsende ihre Vergangenheit verdrängen. Es besteht für ihn kein Anlass, sich von seinen Eltern wegen ihres Verhaltens in der Vorkriegsepoche und in den Kriegsjahren zu distanzieren oder sie gar zu stigmatisieren.

Johannes Riehn
Vater des Autors:
Johannes Riehn

Dies belegt eindrucksvoll der folgende Eintrag des Vaters vom 2. August 1937 in das Gästebuch seines Schwiegervaters, Friedrich Heinrichs, den er zusammen mit seiner Familie in Berlin-Steglitz besucht. Johannes Riehn berichtet, dutzende Pfarrer und Laien seien inhaftiert oder ausgewiesen worden.

Die Kirche als Schiff auf hoher See drohe im Sturm unterzugehen. Dann betet er gleichsam

Aber der Herr in der Höhe ist mächtiger als das Ungetüm.“

Gemeint ist das Ungetüm Hitler!

Vita Hartmut Riehn

Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahr 1945 zieht die Familie aus der sowjetisch besetzten Zone zunächst nach Marburg/Lahn, dann nach Waldeck am Edersee und später nach Bad Wildungen um. Dort gelingt wegen der Nachkriegsumbrüche das Abitur erst 1957. Es schließt sich das Studium der Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Philipps-Universität Marburg an.

Die Berufstätigkeit von Hartmut Riehn

Nach der Referendarzeit in Marburg/Lahn beginnt seine Berufstätigkeit ab September 1967 im Rektorat der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Dort ist er zunächst Angestellter und einige Monate später im Wahlamt „Universitätsrat„. In dieser Funktion berät und unterstützt den Rektor, die Dekane und den Akademischen Senat. 4 Jahre später wird er Leiter der neu eingerichteten Rechtsabteilung der Hochschule. Außerdem ist er nebenamtlicher juristischer Berater der  Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (Rektorate Philipp Mohler dann Hans-Dieter Resch) und Dozent an der Städtischen Frankfurter Bibliotheksschule. Schließlich ist er mehrere Jahre als ehrenamtlicher Vorsitzender die gemeinnützige Marburger Musikschule mit über 900 Schülern zuständig.

1980 wechselt er in die Verwaltungsgerichtsbarkeit. Hier wird er zum Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht in Gießen ernannt. Seit Oktober 2000 ist er niedergelassener Rechtsanwalt in Berlin mit den Spezialgebieten Hochschulrecht und Kapazitätsrecht (siehe hierzu: www.hochschulanwalt.de). Zudem ist er Geschäftsführer der Akademie für Hochschulrecht (siehe hierzu: www.akaho.de).

Anhang: Die Rolle der bekennenden Kirche in der Nazizeit

Im Jahr 1933 versucht „Reichsbischof“ Müller der evangelischen Kirche, das nationalsozialistisches Gedankengut – insbesondere das Führerprinzip und die Vorgaben der Arierparagraphen – mit den Grundprinzipien des Protestantentums zu vermischen. Deshalb gründet Pfarrer Martin Niemöller als Mitglied der bekennenden Kirche 1933 in Berlin den »Pfarrernotbund«. Ihm schließen sich bis Januar 1934 über 7000 Pfarrer an, denen es gelingt den bedrohlichen Eingriff zu verhidnern.

Der Versuch, die Pfarrernotbund-Initiatoren zu isolieren und das Kirchenregiment des Reichsbischofs durchzusetzen, scheitert kläglich. Im Oktober 1934 hält man eine „Bekenntnissynode“ in Berlin ab. Sie sagt dem Reichsbischof offen den Kampf an. Zudem wird der ‚Rat der Deutschen Evangelischen Kirche‚ als förmliche Gegenorganisation ins Leben gerufen und das ‚kirchliche Notrecht‚ verkündet. (Siehe hierzu ausführlich: Martin Broszat, Der Staat Hitlers, S.283 ff.; Aleff, Eberhard, Das Dritte Reich, Hannover 1970, S.51 ff.).

Niemöller und Goebbels

Niemöller wird am 2. Juli 1937 verhaftet und muss bis Kriegsende in einem Konzentrationslager ausharren. In seinem Tagebuch kommentiert Goebbels am 8. Februar 1938 die Bestrafung Niemöllers wie folgt:

Dieses Schwein von Niemöller sollte ich vor der Flinte haben!”

Joseph Goebbels, Tagebücher 1924 – 1945, Bd.1, Herausgeber Ralf G. Reuth, Piper Verlage, 3. Auflage 2003, S.1204

Als Niemöller ein Gnadengesuch einreicht, reagiert Goebbels höhnisch (Tagebücher, S. 1512):

Niemöller bittet um Gnade. Kommt nicht in Frage. Soll gut essen, dick werden, daß niemand ihn mehr mit einem Märtyrer verwechseln kann.

Reuth, Tagebücher Joseph Goebbels, aaO, S.1512