Hartmut Riehn

Rechtsanwalt
Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht a.D.
Spezialist für Hochschulrecht

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Der Autor und Verantwortliche dieses Internetauftritts ist ab 1. Oktober 1967 juristischer Sachbearbeiter des Rektorats und und einige Monate später Universitätsrat. 1970 übernimmt er als Regierungsdirektor die Leitung der Rechtsabteilung der Hochschule.

Riehn ist Rechtsanwalt. Seine Spezialkanzlei für Hochschulrecht befindet sich in Berlin, Schumannstraße 9, die ausschließlich Hochschulen berät und vor Verwaltungsgerichten vertritt. Siehe hierzu die Homepage „www.hochschulanwalt.de„.

Geboren 1935, als Sohn einer protestantischen Pfarrers, hat er das Glück, von einem Vater erzogen zu werden, der als Mitglied der Bekennenden Kirche und des Pfarrernotbundes das Naziregime ablehnt und die aufziehenden Gefahren des faschistischen Systems erkennt.

Eindrucksvoll belegt dies dessen folgender Eintrag vom 2. August 1937 in das Gästebuch seines Schwiegervaters, Friedrich Heinrichs, der im Jahr 1937 nach seiner Pensionierung als Missionar in Deutsch Süd-West – heute Namibia – in Berlin-Steglitz lebt.
Er berichtet, Dutzende Pfarrer und Laien seien inhaftiert oder ausgewiesen worden. Die Kirche als Schiff auf hoher See drohe im Sturm unterzugehen. Dann betet er gleichsam:

Aber der Herr in der Höhe ist mächtiger als das Ungetüm.“

Gemeint ist das Ungetüm Hitler!

Der Autor diese Internetauftritts befindet sich also nicht in der Situation vieler anderer junger Menschen, deren Eltern sich zum Naziregime bekannt haben und nun ihre Vergangenheit verdrängen.

Die Rolle der bekennenden Kirche:

Gegen die Gefahr einer Überschwemmung und Durchdringung des Protestantismus durch nationalsozialistisches Gedankengut – insbesondere Führerprinzip und Arierparagraphen -, wie sie bei den evangelischen Kirchenwahlen am 23.07.1933 mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für die Deutschen Christen und deren Reichsbischof Müller offensichtlich geworden war, hatte sich im September 1933 unter Pfarrer Martin Niemöller aus Berlin-Dahlem eine Opposition in Gestalt des »Pfarrernotbundes« gebildet, die zu einer inneren Spaltung der Evangelischen Kirche geführt hatte . Dem Pfarrernotbund hatten sich bis Januar 1934 über 7000 Pfarrer angeschlossen . Der Versuch, die Gegensätze zu überbrücken, die Pfarrernotbund-Initiatoren zu isolieren und das Kirchenregiment des Reichsbischofs durchzusetzen , scheiterte. Gleichzeitig wagte Hitler, auch mit Blick auf die im Januar 1935 anstehende Abstimmung im Saargebiet, kein energisches Durchgreifen zugunsten der nationalsozialistisch orientierten Deutschen Christen . Von Mai 1934 an entstand trotz der inzwischen erfolgten Amtsentlassung Niemöllers und anderer, mit der Barmer Bekenntnissynode eine förmliche Gegenorganisation gegen das Müllersche Kirchenregiment .
Der Widerstand des Pfarrernotbundes erlahmte nicht . Im Oktober 1934 hielt man eine zweite Bekenntnissynode in Berlin-Dahlem ab, die dem Reichsbischof offen den Kampf ansagte und den »Rat der Deutschen Evangelischen Kirche« als förmliche Gegenorganisation ins Leben rief und das »kirchliche Notrecht« verkündete . Reichsbischof Müller verlor schnell an Einfluß und erlitt schließlich einen völligen Autoritätsverlust . Die Gleichschaltung der protestantischen Kirche war damit gescheitert (siehe dazu ausführlich: Broszat , Staat Hitlers , S. 283 ff. ; Aleff, Eberhard : Das Dritte Reich, Hannover 1970, S . 51 ff. ) .

Der bereits am 11.11.1933 seines Amtes enthobene Dahlemer Pfarrer Martin Niemöller, aktivster Führer der oppositionellen Bekennenden Kirche und Gründer des »Pfarrer-Notbundes « , wurde am 2.7.1937 verhaftet und blieb bis 1945 in Konzentrationslager-Haft.

In seinem Tagebuch kommentiert Goebbels am 8.2.1938 (Seite 1204) die Strafe Niemöllers wie folgt:
„Dieses Schwein von Niemöller sollte ich vor der Flinte haben!“

Als Niemöller ein Gnadengesuch einreicht, reagiert Goebbels höhnisch (Seite 1512): „Niemöller bittet um Gnade . Kommt nicht in Frage. Soll gut essen, dick werden , daß niemand ihn mehr mit einem Märtyrer verwechseln kann.“

(Jospeh Goebbles, Tagebücher 1924 – 1945, Band 1, Herausgegeben von Ralf Georg Reuth, Piper München Zürich, 3. Auflage 2003)