Ronny Loewy, SDS

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Loewy im Vordergrund mit Schnurrbart vor Negt

Einer der Wortführer des SDS; (* 10. April 1946 in Tel Aviv; † 9. August 2012 in Frankfurt am Main)
Siehe folgenden Nachruf:

Erinnerungen

Von Werner Dütsch

Der Zufall (oder war es das Locarno-Festival?) wollte es, dass ich vor wenigen Tagen einen schönen Text von Ronny (wieder-) gelesen habe: den zu Premingers „Exodus“. ein schönes Beispiel für die Tugenden, die Ronnys Schreiben, Arbeiten und Reden auszeichneten: eine für ihn ganz selbstverständliche Präzision, Genauigkeit und Liebe zum Detail. Eben keine munteren, spekulativen Ideen für einen windigen Überbau. Ob es darum ging, Einzelheiten einer Filmproduktion zu recherchieren, eine Frage zu Filmmaterial sehr genau beantworten zu können, oder halt einfach anstelle luftiger Spekulationen einzugestehen, von einer Sache einfach (noch) nicht genug zu wissen. Das konnte dann – um meinen ganz persönlichen, egoistischen Gewinn daran zu benennen – von grossem Nutzen sein, z.B. bei der Suche nach dem erhaltenen Filmmatertial der SS-Filmproduktion „Theresienstadt“.

Zum letztenmal haben wir uns in Saarbrücken getroffen, natürlich war Ophüls der Anlass. Aber das Saarland war für Ronny nur so nebenan. Er reiste gern, was mir, der sich gerne um Reisen drückte, besonders auffiel. Er muss ein beachtliches Miles- and-More-Konto gehabt haben. Eine Frucht der vielen Reisen: eine Weltläufigkeit, von der sich ebenfalls profitieren liess. Ronnys Kontakt- und Informationsnetz war umfassender, schneller und aufmerksamer als jede Zeitung; zuweilen wusste er als erster von Umständen – Vergangenheit oder Aktualität – die man selbst gerne sehr früh gekannt hätte. Nicht ohne berechtigte Genugtuung konnte er einem da schon mal auf die Sprünge helfen, so etwa, als ich von ihm erfahren musste, dass eine Produktion, in die ich verwickelt war, sich anschickte, eine Klage gegen den Staat Israel auf den Weg zu bringen, um die kostenlose Herausgabe von Archivmaterial zu erzwingen.

Sehr oft sind wir uns gar nicht begegnet, aber das genügte, einen Cinephilen kennen zu lernen, der nicht betriebsblind aufs Kino fixiert war. Gemeinsam wurden wir in der Ära Gielen in Frankfurt zu Opernliebhabern, nicht nur mit dem ,Ring‘ der Berghaus.
Zusammenkünfte hatten immer etwas von einer fröhlichen Nüchternheit. Nun, die schönen Jahre, in denen die Zeit still zu stehen scheint ud die glauben machen können, alles gehe einfach so weiter, sind unwiederbringlich dahin. Ein Verlust, den man nicht wegreden lässt.

In meiner Erinnerung auch gemeinsame Tage auf der Isola del Giglio. Von der lokalen Spezialität machten wir tägliche wechselnden Gebrauch unter freiem Himmel: Risotte, Risotto, Risotto. Wein aber auch.

Oder auch „Ein politisch denkender Kinoenthusiast“