Ruth Moufang

Professorin der Mathematik

Frau Moufang nimmt im vorliegenden Kontext eine besondere Rolle ein: Anfang 1967 hat der Autor dieser Site sein 2. juristisches Staatsexamen bestanden und ist auf der Suche nach einer Arbeitsstelle. Eher zufällig berichtet ihm Frau Moufang im August 1967, mit der er familiär über Prof. Wilhelm Magnus befreundet ist, das Rektorat der Johann Wolfgang Goethe-Universität suche einen Juristischen Sachbearbeiter. Er solle sich doch einfach direkt an ihren Kollegen Prof. Franz wenden, der aktuell als Prorektor amtiere. Sicherlich sei dies eine gute Idee. Das frühere Studium an der Frankfurter Hochschule sei eine solide Grundlage für eine solche Tätigkeit und Marburg sei nicht allzu weit entfernt. Nach zwei Vorstellungsgesprächen bei dem Prorektor und dem Rektor, Prof. Rüegg, beginnt eher unerwartet eine aufregende Tätigkeit, die erst 1980 mit dem Wechsel in das Amt eine Richters am Verwaltungsgericht Gießen endet.

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Prof. Ruth Moufang

Herkunft und Familie

Ruth Moufang ist die Tochter von Eduard Moufang, promovierter Chemiker (1874–1941) aus Palermo, und seiner Ehefrau Else Moufang, geborene Fecht. Eduard Moufang ist der Sohn des Friedrich Carl Moufang (1848–1885) aus Mainz, Kaufmann in Frankfurt am Main und der Elisabeth Moufang, geb. von Moers, Tochter des Alexander Fecht (1848–1913) aus Kehl und seiner Ehefrau Ella Fecht, geb. Scholtz (1847–1921) aus Tilsit.[1] Zu Ruth Moufang’s familiären Wurzeln aus einer über Generationen in Mainz ansässigen Familie zählen neben vielen bekannten Moufang Vorfahren aus dem Klerus, der Politik und der Kaufleute, auch Nicola Moufang und seine Brüder.

Gymnasialzeit und naturwissenschaftliches Studium

Ruth Moufang besuchte ab 1913 das Realgymnasium in Bad Kreuznach und legte dort 1924 ihr Abitur ab. Von 1925 bis 1929 studierte Ruth Moufang Mathematik, Physik und Philosophie an der Universität Frankfurt am Main. An der Universität Frankfurt am Main legte Ruth Moufang ihr Staatsexamen im Fach Mathematik und dem Nebenfach Physik ab. Ruth Moufang war die erste weibliche Studierende im Studiengang Mathematik der Universität in Frankfurt am Main[2]

1930 wurde Ruth Moufang bei Max Dehn mit dem Thema „Zur Struktur der projektiven Geometrie der Ebene“ zum Dr. phil. nat. promoviert. Im Anschluss erhielt sie ein Stipendium nach Rom, um dort ihren Wissensbereich zu vertiefen. In den folgenden Jahren hielt sie Gastvorlesungen an den Universitäten von Frankfurt am Main und Königsberg. In dieser Zeit gelangen ihr für die synthetische Geometrie bedeutsame Entdeckungen über projektive Ebenen. Zum Beispiel zeigte sie, dass Ebenen, in denen der kleine projektive Satz von Desargues allgemeingültig ist, stets als Koordinatenebenen über einem Alternativkörper dargestellt werden können. Ihr zu Ehren nennt man diese Klasse von projektiven Ebenen Moufang-Ebenen.

Im Sommer 1936 wurde Ruth Moufang mit ihrer Schrift über Geordnete Schiefkörper an der Johann Wolfgang Goethe-Universität zu Frankfurt am Main habilitiert. Als Frau wurde ihr die Venia Legendi unter der nationalsozialistischen Regierung versagt. Deswegen arbeitete sie von 1937 bis zum Ende des Naziregimes 1945 in einem Forschungsinstitut der Firma Krupp, zunächst als wissenschaftliche Assistentin, ab 1942 als Abteilungsleiterin der Abteilung für Angewandte Mathematik und Mechanik.

Siehe auch: Zur Geschichte des Mathematischen Seminars der Universität Frankfurt am Main von 1914 bis 1970, Seite 82

Nach dem Krieg kehrte Ruth Moufang an die Goethe-Universität nach Frankfurt zurück. 1946 erhielt sie dort ihre Venia Legendi und 1951 ein planmäßiges Extraordinariat. Im Jahr 1957 wurde sie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main als ordentliche Professorin auf den Lehrstuhl für Mathematik berufen. Ruth Moufang lehrte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1970.

Wissenschaftliche Leistung

Ruth Moufang gilt als Begründerin eines neuen Forschungsgebiets, das sich mit der Untersuchung projektiver Ebenen auseinandersetzt. In diesem Kontext gelang es ihr, Geometrie und abstrakte Algebra zu verbinden.

Einen weiteren Schwerpunkt ihres Wirkens bildete im Bereich der Mechanik die angewandte Elastizitätstheorie. Die Begriffe Moufang-Ebene, Moufang-Loop und der Moufangsche Elastizitätsmotor sind mit ihr verbunden.

Weblinks