Reinhart Wolff, SDS

20. Oktober 1939 in Battenberg (Eder))

Bruder von KD Wolff und Frank Wolff. Die drei Sponti-Brüder werden die “roten Wölffe” genannt.

1969-70 Mitglied im Bundesvorstand des SDS / Mitbegründer der Kinderläden Zum Werdegang siehe Wikipedia

Wolff konzipierte für den Deutschen Kinderschutzbund eine Strategie „Hilfe statt Strafe“ für Täter von sexuellem Missbrauch von Kindern. Diese Strategie gründete auf einem „familienorientierten Ansatz“, der die gemeinsame Therapie von Tätern und Opfern an die Stelle der Bestrafung der Täter setzen wollte. An dieser Strategie wird aber kritisiert, dass die Kinder als Opfer mit den Eltern als Täter unter einem Dach bleiben. In der Zeitschrift Sozial Extra kritisierte er 1990 in einem zusammen mit seiner Frau verfassten Artikel die Kampagnen gegen Kindesmissbrauch:.

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Ende 1990 lanciert Kinderschützer Wolff zusammen mit seiner Frau Angela in der Fachzeitschrift Sozial Extra das seither viel zitierte und viel strapazierte Schlagwort vom “Missbrauch des Missbrauchs”. Pädagoge Wolff: “Der ganze Eifer richtet sich darauf. Normen einer desexualisierten Kindheit wieder aufzurichten.” Erneut werde “Sexualität als im Wesentlichen ‚schlecht’, ‚gefährlich’ und ‚pathologisch’ charakterisiert …”

Siehe hierzu die Kritik in Emma, Ausgabe September/Oktober 1993:

Zitat

“In den 70er Jahren avancierte der Pädagoge zum führenden Kopf der Kinderladen-Bewegung, die einst von Frauen initiiert worden war. Anfang der 80er gründete Wolff das Berliner “Kinderschutzzentrum”. Ende der 80er konzipierte der Alt-68er für den “Deutschen Kinderschutzbund” die neue Strategie “Hilfe statt Strafe”. Dahinter steckt der sogenannte “familienorientierte Ansatz”, will heißen: Das Opfer wird nicht vorm Täter geschützt und von ihm getrennt, sondern gemeinsam mit ihm “therapiert”. Im Klartext: Ein missbrauchender Vater bleibt weiterhin unter einem Dach mit der missbrauchten Tochter, und gemeinsam führen beide verständnisvolle Gespräche mit den Therapeuten.”

 Reinhard Wolff, Kinderladenaktivist der ersten Stunde, nimmt für sich in Anspruch die Wortmarke „Kinderladen“ ausgedacht zu haben (vgl. Wolff 1992, S. 73- Wolff, R.: Nach Auschwitz: antiautoritäre Kinderladenbewegung oder die Erziehung der Erzieher, in: Beller, K. (Hrsg.): Berlin und pädagogische Reformen. Brennpunkte der individuellen und historischen Entwicklung, Berlin 1992, S. 71-80). Dem hält Heidi Berndt entgegen, dass die feministische Filmemacherin und Autorin Helke Sander diese Bezeichnung aus ihren Erfahrung mit der Puistotädit, der außerfamiliären Betreuung von kleinen Kindern in Finnland durch sog. „Parktanten“, mit nach Deutschland brachte (vgl. Berndt 1995, S. 239). Seinerzeit existieren die unterschiedlichsten Titulierungen für Einrichtungen, die sich der antiautoritären Erziehung verpflichtet fühlten. Die Bandbreite reichte von Freie Kinderschule, Freie Vorschule, Kinderforum, Kinderzentrum, Kinderhaus, Kinderklub, Mini-Club, Freier Kindergarten „bis zu Kinder-Olymp und Notgemeinschaft Kinderspielkreis“ (Reichhardt 2014, S. 725).