KD Wolff, SDS

Karl Dietrich Wolff, häufig KD Wolff genannt, (* 27. Februar 1943 in Battenberg)

Bruder von Frank Wolff und Reinhart Wolff. Die drei Sponti-Brüder werden die “roten Wölffe” genannt. Sie sind Söhne eines Amtsrichters, über den die Oberhessische Presse (OP) in ihrer Ausgabe vom 21. April 2018 anlässlich eines Interviews mit KD Wolff wie folgt berichtet:

Für Wolffs Revolte gegen die Generation der Väter im Nachkriegsdeutschland gab es aber auch eine innerfamiliäre Vorgeschichte. Der in Marburg geborene KD Wolff war einer von vier Kindern eines Amtsrichters, der vor 1945 am Gericht in Battenberg und wegen seiner Verstrickung in den Nationalsozialismus nach dem Krieg bis 1949 Berufsverbot hatte, ehe er wieder am Amtsgericht in Biedenkopf arbeitete. Die Familie zog in den heutigen Biedenköpfer Stadtteil Wallau. K.D. Wolff legte später an der Lahntalschule in Biedenkopf sein Abitur ab. Schon als Heranwachsender habe er sich mit den Verbrechen der Nationalsozialisten beschäftigt und beispielsweise Berichte über die Nürnberger Prozesse in der Zeitung gelesen. In diesem Zusammenhang sei es auch zu Auseinandersetzungen mit dem Vater gekommen. „Wir haben gestritten, aber er hat dazu geschwiegen“, erzählt Wolff. Die für viele Freunde auf den ersten Blick nicht nachvollziehbare Aufnahme des Jurastudiums durch den jungen Rebellen sei vielleicht auch ein Ausdruck von Schuldgefühlen wegen seiner Vorwürfe gegen den Vater gewesen, nachdem dieser wenige Jahre später bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei, erzählte Wolff im Gespräch mit der OP. Zu einer Aussprache sei es deswegen leider nicht mehr gekommen.”

Oberhessische Presse (OP); Ausgabe vom 21. April 2018

Ähnlich problematisch ist die Beziehung der Wolff-Söhne zur Mutter. In einem Interview mit dem Magazin “Forschung Frankfurt”, das Ulrike Jaspers mit ihm führt, berichtet KD Wolff:

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Biedenkopf und einer High School in den USA absolviert KD Wolff für zwei Jahre seinen Bundeswehrdienst und beginnt im Alter von 21 Jahren zunächst ein Jurastudium in Marburg/Lahn. In dem zitierten Interview erläutert KD Wolff, warum er sein Marburger Studium abbricht hat und an die Freiburger Universität wechselt:

Die Leute waren zu sehr von Wolfgang Abendroth dominiert“, erläutert Wolff im Gespräch mit der OP. Der Professor für Politikwissenschaften habe zu sehr die Richtung vorgegeben, der Ende der 60er-Jahre auch ein Großteil der im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) organisierten Marburger Studierendenschaft gefolgt sei. „Das waren Dogmatiker“, meint Wolff. „Statt einer Demo gegen den Krieg in ­Vietnam wollten sie lieber einen Kurs über Lohnarbeit und Kapital machen“, erinnert er sich. „Die internen Diskussionen mit ihm waren nicht besonders kreativ“, sagt Wolff über Abendroth. Wolff ging dann zum Studium an die Universität nach Freiburg, wo sein Bruder Frank schon am Konservatorium in der Cello-Meisterklasse studierte.”

Oberhessische Presse (OP); Ausgabe vom 21. April 2018

SDS-Mitglied, von 1967 bis 1968 Erster Vorsitzender des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Später Buchverleger Roter Stern/ Stroemfeld Verlag (z.B. Kurzeck) – 2018 Verlag pleite.

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von links nach rechts: von Friedeburg, Adorno, lachender Krahl, KD Wolff

Die Rolle KD Wolffs im Verlauf der Frankfurter Unruhen

Die Blockade der Universität im Verlauf der Aktionen gegen die Notstandsgesetzgebung

Am Donnerstag, den 16. Mai 1968, protestieren etwa 2000 Studenten gegen die Blockade der Universität, die Teil der Aktionen gegen die Notstandsgesetzgebung ist. Kurz nach 9 Uhr reißen sie die Barrikaden aus Holzbohlen und Drahtgestellen fort und drängen die Streikposten bei Seite. Teilweise kommt es zu Schlägereien. Es gelingt ihnen die Universität zu betreten. KD Wolff als Anführer der Blockade sieht sich daraufhin gezwungen, die Blockade abzubrechen.

Anschließend findet vor dem Studentenhaus unter freiem Himmel ein Teach In statt, an denen etwa 3000 Personen teilnehmen. Schütte, der hessische Kultusminister, Rektor Rüegg und Ellwein fordern die Versammelten auf, andere Formen des Kampfes gegen die Notstandsgesetzgebung zu suchen. KD Wolff versucht zusammen mit Frank Wolff sowie Krahl eher hilflos die gewaltsame Blockade zu rechtfertigen. Man müsse sich gegen die “neuen Faschisten” wehren:

Frankfurter Neue Presse, 17. Mai 1968

Rüegg betont erneut, es jedem unbenommen gegen die Notstandsgesetzgebung zu protestieren, in der Hochschule zu diskutieren und sich zu informieren. Jedoch sei die von der SDS-Minderheit ausgeübte Gewalt nicht akzeptabel:

Frankfurter Neue Presse, 17. Mai 1968

DIE FÜHRER DES SDS

Spiegelinterview vom 22.04.1968 mit KD Wolff und Frank Wolff

Spiegelinterview vom 22.04.1968 mit KD Wolff und Frank Wolff; Zitate aus den begleitenden Hinweisen der Redaktion:

Sicher ist, daß Karl Dietrich Wolff, 25, Frank Wolff, 22, und Bernd Rabehl, 30, als Mitglieder des Bundesvorstands des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) mitverantwortlich sind für die Demonstrationen, die aus dem letzten Osterfest in Westdeutschland ein langes blutiges Wochenende machten.

Spiegelinterview vom 22.04.1968

Am Karfreitag kommandierte Wolff die “Bild”-Blockade der Frankfurter Societäts-Druckerei. Als er — so seine Darstellung — versuchte, einem Zeitungstransporter der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” den Weg aus der Druckerei durch die Demonstranten zu bahnen, entdeckte ihn der Chef des 18. Kommissariats, Kriminalrat Panitz, in dem Fahrzeug und nahm ihn fest. Am Ostermontag leistete er Generalstabsarbeit bei der Demonstration in Essen.

Spiegelinterview vom 22.04.1968

Rückblick KD Wolffs auf seine Jugend und die Marburger Studienzeit: “Revolte hat für mich 1964 angefangen”, Interview mit der Oberhessischen Presse vom 21. April 2018:

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/AJsBw-dy380

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/LDJuNs_kQ9Q

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/tYfkK9IzSZg

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/7KzMA3WWcYU

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/TrV1O0QRLCA

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/64LDlHJj0yY

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/grosse-koalition-und-apo/IpUml-h8zFw

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/OO_9TwmAul0

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/my_wgwI89xM

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/ROqYNTcwCS0

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/XTpwai_sVTc

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/OgF6d9KvOTw

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/2uhg21-v008

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/SwwHpQn1z5w

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/N7bc_erOEXY

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/YJSmmLwUC-E

https://www.zeitzeugen-portal.de/zeitraeume/jahrzehnte/1960/die-68er-revolte/O2YJQayIg20