28.05.1969: Taheri, Blockade Immatrikulationsamt

In den Märzwochen 1969 pausieren die studentischen Aktionisten. Auch sie ziehen sich in die Semesterferien zurück. Wenige Tage vor Beginn der Lehrveranstaltungen des SS 1969 beginnt es aber schon wieder zu brodeln.

Diesmal bietet der „Fall Taheri“ eine willkommene Gelegenheit, Konfrontationen zur Universitätsadministration aufzubauen. Taheri ist bis einschließlich WS 1968/69 als ausländischer Studierender bei der Johann Wolfgang Goethe-Universität eingeschrieben. Für das SS 1969 versäumt er die Einschreibefrist. Deswegen wird ihm die Rückmeldung verweigert. Daraufhin ruft Frank Wolff für den SDS zum Sturm auf das Immatrikulationsbüro auf. Die Polizei muss gerufen werden.

Taherikonflikt

Taheri und seine Vorgeschichte

Ahmad Taheri, geboren im Jahre 1933 im Iran (Mashad), ist im WS 1961/62 für Volkswirtschaft und anschließend bis zum Ende des WS 1967/68 in der Philosophischen Fakultät als ordentlicher Student eingeschrieben. Dort belegt er im Verlauf von 10 Semestern soziologische Veranstaltungen. Bis zum 31.12.1966 muss er sich zu der Vordiplomprüfung melden. Im Frühjahr 1968 bricht jedoch er das Studium ab und reist in seine Heimat. Da er für das WS 1967/68 die fälligen Gebühren und Beiträge nicht zahlt, exmatrikuliert ihn die Hochschule rückwirkend. Rechtlich scheidet er somit zum Ende des Sommersemesters 1967 aus der Hochschule aus. Ende Februar 1969 kehrt er nach Frankfurt zurück. [1 u. 2] Hier gerät er in das Blickfeld der Frankfurter Polizei, als er im Verlauf eines Polizeieinsatzes im Walter Kolb Heim – dem Hauptquartier des SDS – am 31.3.1969 Zeuge einer Verhaftung Krahls wird. Die Polizei entdeckt vor allem, daß er keine Aufenthaltserlaubnis hat. Deswegen droht ihm die städtische Ausländerbehörde die Abschiebung nach Persien an und veranlaßt am 14.4.1969 seine Verhaftung, um ihn abschieben zu können. [3]

Taheri kämpft um die Neuimmatrikulation

Taheri meint, er könne sich dieser Abschiebung entziehen, wenn er sich erneut als Studierender an der Universität einschreibt. Freilich ist zu diesem Zeitpunkt die im Vorlesungsverzeichnis bekanntgegebene Einschreibefrist, der letzte Termin ist der 14.3.1969, schon längst abgelaufen. Trotzdem erscheint er am Vormittag des 23.4.1969 im Schalterraum des Universitäts-Sekretariats, das im Erdgeschoß des Hauptgebäudes liegt. Er beantragt, ihn für das Sommersemester 1969 erneut zu immatrikulieren. Die zuständige Sachbearbeiterin informiert ihn über die versäumte Einschreibefrist. Nach ihrem Ablauf seien Anmeldungen nicht mehr möglich. Taheri spricht daraufhin bei dem Sekretariatsleiter Reichart vor, der erneut an die Fristversäumnis erinnert. Er betont, die Universität habe schon eine Reihe von nachträglichen Aufnahmegesuchen abschlägig beschieden. [4]

Taheri bleibt hartnäckig. Schließlich schaltet sich der juristische Sachbearbeiter des Rektorats ein. Riehn erläutert ihm, es handle sich um eine Ausschlußfrist, deren Versäumnis nur dann unschädlich sei, wenn diese nachweisbar nicht verschuldet sei. Zunächst erklärt Taheri, er habe die Frist versäumt, weil er sich in Untersuchungshaft befunden habe, muß jedoch auf Befragen zugeben, er sei erst nach dem 15.3.1969 verhaftet worden. Dieser Umstand kann also die Fristversäumnis nicht ausgelöst haben. Er berichtet sodann, vorher habe er sich in Persien aufgehalten. Deswegen habe er sich nicht anmelden können.

Riehn betont, dies könne ihn nicht entschuldigen, denn es sei möglich gewesen, sich auch brieflich anzumelden. Was für hunderte von ausländischen Studienbewerbern gelte, müsse auch er beachten. Gerade vor dem laufenden Semester sei eine Vielzahl von Studierenden, welche die Anmeldefrist versäumt hätten, abgewiesen worden. In mehreren Fällen sei ein Auslandsaufenthalt nicht als Entschuldigung anerkannt worden. Man könne Taheri nicht ein Recht zugestehen, das man anderen Bewerbern habe verweigern müssen. Andere Gründe trägt Taheri nicht vor. Er versichert am Ende des Gesprächs, die Immatrikulation sei für ihn sehr wichtig, denn er habe dann größere Chancen, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Die Empfehlung der Universität an Taheri seinen Antrag zu begründen

Es wird dann Taheri empfohlen, seinen Antrag nochmals schriftlich zu begründen, so daß er unter Umständen noch neue Tatsachen vortragen könne. Man werde sich bemühen, zu einer für ihn günstigen Entscheidung zu kommen. Er solle so schnell wie möglich, im eigenen Interesse weitere Unterlagen einreichen. Am selben Tag, gegen 16 Uhr, ruft Burkhard Bluem als Mitglied des Bundesvorstandes des SDS im Rektorat und fragt Riehn, wie im Fall Taheri entschieden worden sei. Riehn erläutert ihm kurz die Situation. Am Ende des Gesprächs äußert Bluem, der Prorektor solle sich die Entscheidung genau überlegen. Am nächsten Morgen um 10 Uhr werde Taheri noch einmal vorsprechen. Werde sein Antrag abgelehnt, stünden am Freitag [5] einige hundert SDS-Leute vor dem Rektorat. [6]

Das Flugblatt des SDS

Noch am selben Tag ruft ein Flugblatt, dessen Verfasser zwar im Dunklen bleiben, das aber seiner Diktion nach offensichtlich vom SDS stammt, zu Solidaritätsaktionen auf. Die Universitätsverwaltung bemühe sich darum, der Ausländerpolizei für ihren Versuch, Taheri nach altbewährter Gestapo-Methode in einer Nacht- und Nebelaktion nach Persien abzuschieben, nachträglich Legitimationshilfe zu leisten:

„Nachdem die Frankfurter Ausländerpolizeibehörde im Falle Taheris Schiffbruch erlitten hat (ihr Leiter Meyer liegt mit einem Kreislaufkollaps darnieder), nachdem der entnervte Uchmann, um für die Polizei Schlimmeres zu verhüten, unter der Hand angeboten hat, das Verfahren gegen Taheri niederzuschlagen, versucht nun die Frankfurter Universität sverwaltung, der in Schwierigkeiten geratenen Staatsgewalt wieder auf die Beine zu helfen. Heute morgen weigerte sich Justitiar Riehn als Vertreter der Universität, Taheri die Fortsetzung seines Studiums zu gestatten. Zur Begründung berief er sich scheinheilig auf die Versäumnis von ‘Ausschlußfristen’ und fragte interessiert, ob Taheri sich nicht (fristgemäß) während seiner Abschiebehaft bzw. während seines Aufenthaltes in der Nervenklinik habe anmelden können. – Taheri hat an der Frankfurter Universität  bereits 11 Semester Soziologie studiert. Die mit formalen Vorwänden verschleierte Weigerung, ihm die Fortsetzung seines Studiums zu gestatten, macht deutlich, daß in der Universitätsverwaltung das gleiche politische Klima wie bei den Faschisten der Ausländerpolizei herrscht.

Die Universitätsverwaltung ist offensichtlich darum bemüht, der Ausländerpolizei für ihren Versuch, Taheri nach altbewährter Gestapo – Methode in einer Nacht – und Nebelaktion nach Persien abzuschieben, nachträglich Legitimationshilfe zu leisten. Die Weigerung der Universität, Taheri zum Studium zuzulassen, liefert der Ausländerpolizei darüber hinaus einen erwünschten Vorwand, das von Taheri inzwischen eingereichte Asylgesuch abzulehnen. Die Frankfurter Studenten werden nicht zulassen, daß die Universitätsverwaltung sich als Zweigbehörde der Ausländerpolizei betätigt. Falls die Universität sich weiterhin weigert, Taheri die Fortsetzung seines Studiums zu gestatten, wird dafür gesorgt werden, daß ihre Verwaltung in Zukunft ohne Anmelde – und Immatrikulationsakten auskommen muß. Wir werden am Donnerstag, den 24.4.1969, gemeinsam mit Taheri dessen Einschreibung im Sekretariat durchführen. – Treffpunkt: 10.00 Uhr vor dem Studentenhaus.“[7]

Der Prorektor ordnet vorsorglich die Schließung des Sekretariats an

Namentlich die Drohung, die Immatrikulationsakten zu entwenden, verheißt Schlimmes. Prorektor Rammelmeyer ordnet deswegen an, am Donnerstag, den 24.6.1969 das Sekretariat geschlossen zu halten, um Zwischenfälle zu vermeiden. Allerdings soll am folgenden Tag laut Vorlesungsverzeichnis letztmals die Möglichkeit bestehen, sich zu immatrikulieren. Am Donnerstagmorgen trifft Taheri mit seinem Rechtsbeistand, Rechtsanwalt Riemann, und dem AStA – Vorsitzenden Hartmann mit Rammelmeyer zusammen, um neue Gründe für seine nachträgliche Immatrikulation vorzutragen. Währenddessen versammeln sich vor dem Rektorat in der Vorhalle des Hauptgebäudes schätzungsweise 500 Studenten und drohen, das Rektorat und das Sekretariat zu stürmen, wenn Taheri nicht eingeschrieben werde. Ultimativ fordern deren Sprecher eine für Taheri günstige Entscheidung. Polizei steht bereit, um Ausschreitungen zu verhindern. Der Prorektor verspricht, die vorgetragenen Gründe Taheris zu prüfen, erklärt jedoch, er sei nicht gewillt, seine Entscheidung unter Druck zu fällen. Sie solle in der nächsten Woche nach Beratung mit dem gegenwärtig nicht in Frankfurt weilenden Rektor verkündet werden. Die versammelten Studenten, die sich nach Bekanntwerden dieses Besprechungsergebnisses gegen 12 Uhr zerstreuen, kündigen weitere Aktionen für die folgenden Tage an.“[8]

Eine erneute die Schließung des Sekretariats kommt nicht in Frage

Für den nächsten Tag kommt eine erneute Schließung des Sekretariats nicht in Frage. Den Interessierten muß die Möglichkeit gegeben werden, sich ordnungsgemäß zu immatrikulieren. In Abstimmung mit dem Kultus- und Innenministerium fordert deswegen Prorektor Rammelmeyer Polizeischutz an. Um 8.00 Uhr öffnet das Sekretariat. Die Einschreibungen beginnen. Wie immer am letzten Tag des Einschreibeverfahrens ist der Andrang der Studenten sehr stark. Der Sekretariatsbetrieb verläuft bis 10.00 Uhr völlig ruhig. Währenddessen verteilt der SDS vor der Universität ein Flugblatt[9], in dem er ankündigt, man werde Rückmeldungen so lange verhindern, bis Taheri sich immatrikulieren könne.

„Den Amtshilfemaßnahmen des Rektors für die Ausländerbehörde, die exemplarischen Charakter für die Disziplinierungsversuche haben, muß deshalb mit praktischer Solidarität begegnet werden. Deshalb sollen die Rückmeldungen, die allenfalls für die Bürokratie eine Kontrollfunktion haben, solange verhindert werden, bis Taheri sich immatrikulieren kann. Solidarisiert Euch im Kampf gegen die Universitätsbürokraten! – Treibt die Selbstorganisation des Studiums voran!“ [10]

Die Blockade des Immatrikulationsbüros, um die Einschreibung von Taheri zu erzwingen

Auch Cohn-Bendit verteilt dieses Flugblatt, nachdem er sich allerdings zuvor im Sekretariat zurückgemeldet hat. Gegen 10.00 Uhr drängt sich eine größere Anzahl von Studenten in die Schlange der vor dem Sekretariat Wartenden. Sie versuchen, den Betrieb zu blockieren. Es kommt zu Schlägereien zwischen denjenigen, die an der Einschreibung interessiert sind, und den Eindringlingen. Einige versuchen, Stempel zu entwenden. In den Fluren verbreitet sich der beizende, ranzige Gestank von verschütteter Buttersäure. An den Arbeitsplätzen der Sachbearbeiterinnen des Sekretariats explodieren unter starker Rauchentwicklung mehrere Knallkörper. Die bedrohten Angestellten verlassen daraufhin ihre Arbeitsplätze. Die Einschreibungen müssen deswegen für kurze Zeit unterbrochen werden. Polizisten sorgen für den Schutz der Akten und Immatrikulationsunterlagen.

Um wieder zu einem geordneten Sekretariatsbetrieb zu kommen, wird über Megaphon aufgefordert, das Sekretariat und den davor gelegenen Gang freizumachen. Als diese Aufforderung nur teilweise befolgt wird, drängen Polizeibeamte die Anwesenden bis auf etwa 50 Personen aus dem Sekretariat. Dabei kommt es zu Zwischenfällen, in deren Verlauf die Polizei einige Personen festnimmt. Kurz darauf werden alle Studenten, die sich einschreiben oder rückmelden wollen, wieder in kleinen Gruppen zum Sekretariat durchgelassen. Gegen 12.30 Uhr sind ausnahmslos alle Studenten, die sich einschreiben wollen, abgefertigt und alle Zugänge wieder geöffnet. Der Prorektor verlängert die Einschreibefrist wegen der am Donnerstag ausgefallenen Zeit bis einschließlich Montag, den 28.4.1969. Während der geschilderten Ereignisse geht der Vorlesungsbetrieb in den Hörsaalgebäuden im wesentlichen ungestört weiter.[11]


  • [1] Diverses>29.04.1969>>uni-report Aktuell: „Die Machtprobe – Erklärung des Rektors im Fall Taheri“
  • [2] Vermerk>23.04.1969>>Sekretariatsleiter: Zum Ein­schreibungsantrag Taheri am selben Tag
  • [3]Diverses>29.04.1969>>uni-report Aktuell: „Die Machtprobe – Erklärung des Rektors im Fall Taheri“
  • [4] Vermerk>23.04.1969>>Sekretariatsleiter: Zum Ein­schreibungsantrag Taheri am selben Tag
  • [5]  Gemeint ist der 25.4.19969.
  • [6] Pressemitteilung>24.04.1969>>Rektor: Schließung des Studentense­kretariats wegen Drohungen SDS (Taheri)
  • [7]Flugblatt>23.04.1969>>Anonym: „Die Universität verweigert Taheri die Fortsetzung seines Studiums!“
  • [8] Pressemitteilung>24.04.1969>>Rektor: Über Vorfälle wegen verweigerter Immatrikulation Taheri
  • [9] Flugblatt>01.04.1969>>SDS: „Von der großen Kumpanei der Justiz, der Bullen, der SPD und der Univer­sitätsbürokratie!“
  • [10] Flugblatt>01.04.1969>>SDS: „Von der großen Kumpanei der Justiz, der Bullen, der SPD und der Univer­sitätsbürokratie!“
  • [11] Pressemitteilung>25.04.1969>>Rektor: Zum Polizeieinsatz am selben Tag

Das weitere Flugblatt des SDS

Für den letzten Tag der Einschreibung gibt der AStA ein kurzes Flugblatt heraus, in welchem er zu einem Teach-In und zur Blockade der Einschreibung aufruft, um die Immatrikulation Taheries zu erzwingen:

Als Freund und Helfer der Uni – Administration zeigte sich am Freitagmorgen wieder einmal die Polizei, als sie den Versuch der Studenten, die Einschreibung Taheris zu erzwingen, mit massivem Einsatz zerschlug. Taheri, der Hauptzeuge gegen die Frankfurter Polizeischläger beim Einsatz im Kolbheim, sollte mundtot gemacht und deshalb nach Persien abgeschoben werden. Dort erwarten ihn angesichts seiner politischen Überzeugung Festnahme und Gefängnis – die Lebensdauer in persischen Gefängnissen ist bekanntlich nicht sehr hoch. Auf Grund des Ausländergesetzes bleibt Taheri nur eine Möglichkeit, nicht ins faschistische Persien abgeschoben zu werden: Die Fortsetzung seines Studiums. Eine Universitätsadministration, die angesichts dieser Tatsachen Formalismen wie die Einhaltung der Anmeldefrist vorschiebt, kollaboriert offen mit der Ausländerpolizei. Mit vereinten Kräften versuchen diese Institutionen kritisches Potential zu eliminieren.

In Marburg und Berlin wurden bereits mehrere Relegationen ausgesprochen, zum Teil nur deshalb, weil Studenten gewagt hatten, den professoralen Vorlesungsmonolog durch Zwischenfragen zu unterbrechen. Die technokratische Hochschulreform und ihr Korsett, das Ordnungsrecht, bedeuten die legalisierte Form dieses schon heute praktizierten Terrors. – Gegen diese universitären Notstandsübungen bleibt nur noch eine Möglichkeit: – Die Organisierung des aktiven Widerstandes gegen Ordnungsrecht, technokratische Hochschulreform und Polizeiuniversität. – Erzwingt die Immatrikulation Taheris durch Blockade der Einschreibung – Sprengt die Vorlesungen und Seminare und diskutiert praktische Widerstandsperspektiven – Kommt um 10 Uhr zum Teach-In, zeigt, daß ihr nicht gewillt seid, widerstandslos unter diesen Bedingungen zu studieren und begleitet Taheri bei seiner Einschreibung.“

Der weitere Angriff auf das Immatrikulationsamt

Nach den Erfahrungen des vorangegangenen Freitags stehen also erneut erhebliche Störungen bevor. Vor allem muß das Sekretariat mit seinen unersetzlichen Aktenbeständen gesichert werden. Der Beleg- und Rückmeldebetrieb beginnt um 8.00 Uhr zunächst ohne besondere Zwischenfälle. Lediglich eine Gruppe von ungefähr 20 jungen Leuten versucht, den Zugang zu blockieren, was ihnen nicht gelingt. Nur einige wenige Polizeibeamte schützen die Büroräume. Sie lassen die Studenten in kleinen Gruppen in die Amtsräume ein. Als sich gegen 9.00 Uhr eine Warteschlange bildet und damit die Situation unübersichtlicher wird, ruft die Einsatzleitung der Polizei weitere Beamte herbei. Das um 10 Uhr angesetztes Teach-In findet erst gegen 10.45 Uhr statt und erschöpft sich in der Aufforderung, in das Hauptgebäude einzudringen und die Einschreibung zu verhindern.

Unter Führung von Frank Wolff drängen schließlich etwa 100 Personen in den Flur vor dem Sekretariat. Die Eindringlinge werfen abermals Glasfläschchen mit Buttersäure zu Boden und zünden Knallkörper. Das lärmende Durcheinander, der ranzige Gestank der Säure und die Rempeleien der aggressiven Eindringlinge verbieten es, weiter die Einschreibung zu betreiben. Wie schon am vorangegangenen Freitag fordert die Polizei dazu auf, die Vorhalle der Universität und den Gang vor dem Sekretariat freizumachen. Dies geschieht im Wesentlichen ohne größere Zwischenfälle. Sieben Personen nimmt die Polizei fest, denen sie Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchte Gefangenenbefreiung und Hausfriedenbruches vorwirft. Erneut explodiert eine Reihe von Knallkörpern und Buttersäurefläschchen zersplittern in der Eingangshalle. Nach Beendigung der polizeilichen Räumung versucht das Sekretariat das Einschreibungsverfahren fortzusetzen. Die Polizeikräfte lassen kleine Gruppen von Interessierten in das einlassen und begleiten sie zu den Amtsräumen. Zur gleichen Zeit riegelt die Polizei den Haupteingang der Universität ab, vor dem sich schätzungsweise 400 Personen, die Kanonenschläge und andere Gegenstände gegen die Polizisten werfen, stauen. Als Steine und Flaschen fliegen, die Scheiben der Eingangstür zersplittern und die Lage immer bedrohlicher wird, riegelt die Polizei in einem nach Außen gehenden Halbkreis den Haupteingang hermetisch ab. Auch schützt sie den westlichen Seiteneingang. Währenddessen agitieren SDS – Mitglieder – unter ihnen Frank Wolff – über am Studentenhaus angebrachte Lautsprecher.

Nach etwa einer halben Stunde zieht sich die Polizei in den Haupteingang zurück. Daraufhin schleppen die Demonstranten eine inzwischen in der Jügelstraße errichtete Barrikade vor das Hauptgebäude, werfen Steine in Richtung Haupteingang, deren Glasscheiben zerbersten, und dringen auf die „Verteidiger“ ein. Erneut hageln Kanonenschläge und Gegenstände verschiedenster Art auf die mit Schutzhelmen bewehrten Polizisten. Die Lage wird unhaltbar gefährlich. Schließlich fordert der Einsatzleiter dazu auf, den Platz zu räumen. Dann drängen die Ordnungskräfte – es handelt sich schließlich um 253 Beamte – die Demonstranten in Richtung Gräfstraße und Bockenheimer Warte ab. Vor der Universität fahren zwei Wasserwerfer auf.

Plötzlich schleudern Unbekannte aus dem Studentenhaus – auch aus den AStA – Räumen – leere Flaschen und Steine gegen die Fahrzeuge. Die Reaktion bleibt nicht aus: Die Wasserwerfer richten ihre Rohre gegen die geöffneten Fenster, hinter denen man die Täter vermutet. Als dies die Täter nicht daran hindert, ihr Tun fortzusetzen, dringen Polizisten in das verbarrikadierte Studentenhaus ein und verhaften 22 Personen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs. Unter den Festgenommenen befindet sich auch der AStA – Vorsitzende Hartmann. Sieben Polizeibeamte müssen, teilweise erheblich verletzt, abtransportiert werden. Zur gleichen Zeit sprengen Störtrupps eine Reihe von Vorlesungen und Seminaren, darunter auch Klausurprüfungen.“ [2,3]


  • [1] Flugblatt>28.04.1969>>AStA: „Notstandsübung in der Uni“
  • [2]Pressemitteilung>28.04.1969>>Rektor: Blockade der Universität und Polizeieinsatz
  • [3] Pressemitteilung>28.04.1969>>Polizei: Informationen zum Poli­zeieinsatz am selben Tag

Taheri wird nach Vorlage einer Begründung für die Fristversäumis eingeschrieben