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Präsentation von Originaldokumenten, Diskus, Uni-Report, AStA-Info, Flugblätter; Analysen, Entwicklungsprofile von Personen, Chronologie der Ereignisse, Kommentare

Diese Homepage bietet Ihnen umfassende Informationen, Analysen, Originaldokumente und vieles mehr an, die sich auf die Studentenbewegung in der Universität Frankfurt beziehen.

Der Autor dieses Internetauftritts

Der Autor und Verantwortliche dieses Internetauftritts ist ab 1. Oktober 1967 juristischer Sachbearbeiter des Rektorats der Johann Wolfgang Goethe – Universität Frankfurt und einige Monate später Universitätsrat. 1970 übernimmt er als Regierungsdirektor bis 1980 die Leitung der Rechtsabteilung der Hochschule. Anschließend wechselt er in die Verwaltungsgerichtsbarkeit und ist nunmehr Rechtsanwalt. Zu Beginn seiner Tätigkeit berät er vor allem den Rektor, Prof. Rüegg, den Akademischen Senat und die Dekane. Als Universitätsrat muss er Disziplinarverfahren gegen Studierende vorbereiten und Beschuldigte sowie Zeugen vernehmen. Die Verfahren führen jedoch in keinem Fall zu “Strafen”, sondern werden später eingestellt oder erledigen sich durch Zeitablauf.
Nach über einem halben Jahrhundert versucht der Autor jetzt mit diesem Internetauftritt Dokumente zu präsentieren, die er in einem privaten Archiv in Zusammenarbeit mit der Universität gesammelt und gesichtet hat. Ereignisse sollen möglichst authentisch nachvollziehbar werden. Allerdings wäre es ein Irrtum, anzunehmen, er trete hier zudem als sogenannter Zeitzeuge auf. Vor allem als Verwaltungsrichter hat er im Lauf seiner zwanzigjährigen Berufstätigkeit zur Genüge erlebt, wie trügerisch es ist, auf Erinnerungen ohne nachprüfbare Belege zu vertrauen – vor allem dann, wenn Jahrzehnte zwischen einem Ereignis und dem scheinbar zuverlässigen Bericht liegen.

Hier geht es deswegen fast ausschließlich darum, Dokumente in der gebotenen Zeitfolge kategorisiert zu präsentieren, Lücken zu schließen und sie den Ereignissen sowie einigen Personen – den Hauptdarstellern im Life Theater – übersichtlich zuzuordnen, die in der kurzen Phase der Studentenbewegung an der Johann Wolfgang Goethe-Universität bedeutsam sind. So entsteht für den Interessierten die Chance, unmittelbar und eigenständig die Wirklichkeit der damaligen Ereignisse aufzuspüren. Dem Autor kommt es zu Gute, die Verwaltungsvorgänge in ihrer Ordnung zu kennen, sie teilweise selbst angelegt zu haben und in einigen Fällen höchstpersönlich aktiv oder passiv in die Geschehnisse eingebunden gewesen zu sein.


Hartmut Riehn
Rechtsanwalt
Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht a.D.

Die Heldengeschichten der Erlebniselite

Allerdings leistet der Autor dieses Internetauftritts sich ab und an den vergnügten Luxus, das Verhalten einiger Leitfiguren im Verlauf der damaligen Jahre und ihrer weiteren Entwicklung ironisierend zu kommentieren. Dies gilt insbesondere für deren teilweise unverfrorene Methode, sich selbst zu herorisieren, Negatives zu verschweigen und die Geschehnisse bewusst oder unbewusst zu verfälschen. Zu Recht betont Schildt (Axel Schildt, 1968 in: FAZ vom 3. April 2018, Seite 7), eine vorwiegend männliche Erlebniselite habe es für geraume Zeit geschafft, sich mit dem Qualitätssiegel der Authentizität als tonangebende Gemeinschaft von Gedächtnisverwaltern zu konstituieren. lhr Monopolanspruch laute: Du sollst keine Erzählung von 1968 neben unserer haben. Fraglich ist, warum es diesen “Märchenerzählern” vor allem auch durch Verschweigen ihrer wahnhaften Aktionen, ihrer verrückten Revolutionsrhetorik und Ihrer Intoleranz gelingen konnte, sich der Öffentlichkeit als Freiheitskämpfer zu präsentieren.

Der Effekt selbstbekräftigtenden Nachruhms gilt in Potenz für das bundesrepublikanische 1968, wobei es aber nicht um Kriegs- und Bürgerkriegserlebnisse, sondern um ganz andere Heldengeschichten inmitten der Zivilgesellschaft, von zeitgeschichtlicher Durchdringung weit entfernte Erinnerung vor allem deshalb wach, weil sie noch immer eng mit der Vorstellung verknüpft ist, 1968 habe die tiefste Zäsur in der jüngeren deutschen Geschichte- und weltweit- markiert. Vorher hätten bleierne Zeiten in einer Gesellschaft geherrscht, die sich nur wirtschaftlich nach oben bewegte, während ihr politisch und kulturell geradezu hinterwäldlerische Züge anhafteten: Nachkriegsdeutschland, so die Erzählung, habe noch den autoritären Geist finsterer Vergangenheit geatmet, die proletarischen Massen seien nicht mehr revolutionär wie vor 1933 gewesen, sondern, durch die Manipulation der Medien verblödet worden.”

Axel Schildt, aaO.

Teil dieser “Erlebniselite” ist zum Beispiel Frank Wolff.

Unbedingt erheiternd ist es, zu entdecken, wie man unverhohlen in nostalgischen Rückblenden durch Interviews und Berichte die Umbruchepoche nostalgisch verklärt, wobei eigenes, verwirrtes Wahnverhalten gerne verdrängt wird. In einer Rezension von Schwanitz wird dies treffend charakterisiert:

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.1998, Nr. 147 / Seite 48, Wolfgang Kraushaar (Hrsg.): “Frankfurter Schule und Studentenbewegung”. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail 1946 – 1995. 3 Bände. Rogner & Bernhard, Frankfurt am Main 1998. 

​Das Konzept der Darstellung und Analyse der Studentenbewegung in der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

Hilfreich ist es, die damaligen Ereignisse in ihrer Gesamtheit als eine Art Schauspielvorstellung zu entdecken und zu analysieren, in deren Verlauf die Hauptakteure, Nebenakteure und Menschengruppen in unterschiedlichen Szenen auftreten.

Inszeniert wird Aktionstheater. Nur Thema, Termin und Ort stehen fest. Einige Schlagworte sorgen vorab für Spannung. Die Grenzen zwischen Schauspielern und Zuschauern verwischen. Demonstranten, Instituts – und Rektoratsbesetzer und jegliche Teilnehmer der teach-ins werden mit in das rauschhafte Geschehen einbezogen. Mit gutem Gespür beschreibt Gitlin den „thrill“, den die Beteiligten etwa bei Antikriegsaktionen auskosten:

„We were awash in the purity of the we-versus-them feeling on the streets, the crazy battlefield since that all of life was concentratet right here, forever. And there was also the thrill of knowing the cameras had picked up the action, […]. Running and stumbling to get away, maybe to regroup, half the crowd looked up at the police and soldiers, shot out their arms, an shoutet ‘Heil Hitler’. The other half of us waved our arms to the soldiers and shouted ‘Join us.’ (Gitlin, Todd: The Sixties. Years of Hope. Years of Rage, S.335).

Antonin Artaud hat 1932 ein „Manifeste du théatre de la cruauté“ verfaßt, in dem er im Gegensatz zum konventionellen Theater ein Bühnengeschehen fordert, das bestimmt wird von rituellen, magisch-emotionalen Schreien, Heulen disharmonischer Musik, Licht – und Farbeffekten, Maskentänzen und anderen Aktionen, die den Zuschauer einbeziehen, diesem einen ästhetischen Schock (Grausamkeit) versetzen, der sein unterdrücktes Unterbewusstsein befreien und ihn dadurch verändern soll (Siehe hierzu: Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitonen, S. 461 mit weiteren Nachweisen).

In diesem Sinne findet in der hier darzustellenden kurzen Epoche 1967 bis 1969 eher komisches und selten grausames Theater statt. Auf der Bühne der Johann Wolfgang Goethe – Universität treten in den Hauptrollen, fast ausschließlich Männer auf. In den Massenszenen agiert, wie es sich gehört, das Volk – hier meist Studenten -, Hundertschaften der Polizei beleben ab und an den Schauplatz, Sprechchöre sorgen für die Eskalation des Geschehens. Teach-ins geben Gelegenheiten zur Interaktion zwischen einigen Hauptdarstellern (Agitatoren) und dem Volk. Go-ins, teach-ins und Besetzungsaktionen sorgen für Höhepunkte. Demonstrationen erweitern die universitäre Bühne zur städtischen Arena. Akteure in Titelrollen sterben (Adorno, Krahl), verlassen endgültig den Schauplatz oder gewinnen erst im Verlauf der Aufführung Profil.

Es geht um Freiheit und Gerechtigkeit, den „Neuen Menschen“ um das Glück der Menschheit, um Verrat und Standhaftigkeit, Freundschaft und Feindschaft. Vermittelt durch Fernsehen, Radio und Presse sind die Bürger als Zuschauer in das Geschehen mit einbezogen, ergreifen Partei, bleiben passiv oder geraten gar selbst auf die Rampe. Rezensenten der Theateraufführung – hier vor allem die Journalisten der lokalen Presse (Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau und Neue Presse) – geizen nicht mit Lob und Kritik.

Der Schauplatz der Begebenheiten ist nicht unbedingt geeignet, beruhigend auf die Gemüter zu wirken. Der hochragende, fensterlose, blockartig an das alte Universitätshauptgebäude angebaute bunkerartige Hörsaaltrakt, mit abweisenden Treppenhäusern und Fluren, im Erdgeschoß komplettiert um eine stets stinkende Toilettenanlage, und die riesigen, fensterlosen Hörsäle V und VI, in denen meist die Großveranstaltungen stattfinden, wirkt von Außen abweisend-bedrohlich und vermittelt den „Insassen“ ein bedrängendes Gefühl des Eingesperrtseins, das bis zur Platzangst gehen kann. Auf die Wände geschmierte Parolen lockern die kahlen Wände nur unbeträchtlich auf.

Sicherlich ist es überzogen, wenn Hartmut Scheible in seiner Rowohlt Monographie über Theodor W. Adorno meint, es bestehe ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der architektonischen Gestaltung der Hochschulneubauten und dem Ausbruch der Gewalttätigkeiten:

Schon zuvor hatte in Frankfurt der von Horkheimer zum Leiter des Universitätsbauamtes bestellte, seine Unfähigkeit durch pseudodemokratische Verlautbarungen überspielende Architekt Ferdinand Kramer damit begonnen, Institutsgebäude im Stile von Gefängnisbauten zu errichten: die Brutalität und Primitivität der Architektur, durch die das Universitätsviertel zu einem Schandfleck der Stadt wird, hat mit Sicherheit zu den Ausbrüchen von Gewalt und Vandalismus im Gefolge der Studentenbewegung nicht wenig beigetragen.“

Das mächtige Universitätshauptgebäude aus rotem Sandstein, Sitz der Rektoratsverwaltung, der Dekanate der Philosophischen, Wirtschaftswissenschaftlichen und Rechtswissenschaftlichen Fakultäten, in welchem zudem das Studentensekretariat neben der Aula und zahlreichen Hörsälen untergebracht ist, liegt für Massenaktionen extrem günstig. Es grenzt östlich an eine der Magistralen der Stadt, die Senckenberganlage, die zum nur wenige hundert Meter entfernten Messegelände führt und den Verkehrsstrom zur Autobahn und zur Innenstadt leitet. Nördlich befindet sich an der Bockenheimer Warte die Haltestelle der Straßenbahn, die den Campus mit der nahegelegenen City verbindet, wobei die Linie ihren Weg über die von alten Kastanien gesäumte weitläufige Bockenheimer Landstraße nimmt, die unmittelbar zum Opernplatz und zur Hauptwache, dem Zentrum der Stadt, führt und damit sich als Aufmarschweg für Demonstrationen anbietet. In einer Seitenstraße der Bockenheimer Landstraße, der Siesmayerstraße, an deren Ende das Botanische Institut liegt, befindet sich aktionsgünstig am Rande des Palmengartens das gut gesicherte, festungsartige Gebäude des amerikanischen Generalkonsulats, beliebtes Ziel verschiedener Protestmärsche. Direkt gegenüber dem Universitätshauptgebäude, getrennt durch die Mertonstraße, befindet sich das Geviert des Studentenhauses kombiniert mit Studentenwohnheim in den oberen Geschossen. In dem Flügel, der sich der Universitätshauptgebäude zuwendet, sind im Erdgeschoss die Büroräume des Allgemeinen Studentenausschusses, denen am Haupteingang die Mensa vorgelagert ist. Im ersten Stock befinden sich der Festsaal, ein Sitzungsraum des Studentenparlaments und die Studentenbibliothek.

Die Besetzung der verschiedenen Rollen durch handelnde Personen ist unter dem Menu-Punkt “Personen” abrufbar!

Das Archivmaterial

Unter dem Menüpunkt “Ereignisse” wird eine erste chronologische Übersicht präsentiert, die dem Leser hilft, nach eigenem Gutdünken bestimmte Vorfälle auszuwählen.

Unter dem Menüpunkt “Organe und Regelungen” werden einige Fundstellen dargestellt, um die organisatorischen und hochschulrechtlichen Vorgaben zu veranschaulichen       .

Unter dem Menüpunkt “Personen” werden die wichtigsten Akteure der Geschehnisse aufgeführt, wobei jeweils nachvollziehbar sein soll, welche Rollen die Personen im damaligen Aktionstheater innehaben, und welche Lebenswege sie anschließend einschlagen.

Unter dem Menüpunkt “Dokumente” werden die verschiedensten ausgewählten Materialien präsentiert, die im Verlauf der Auseinandersetzungen entstanden sind. So können fast 400 Flugblätter. Weitere Exemplare kommen später hinzu. Zudem können Ausgaben von UNI-REPORT, DISKUS und ASTA-Information gelesen werden. Die meisten Dokumente sind in Text konvertiert. Es ist also häufig möglich, sie mit beliebigen Stichworten zu durchsuchen.

Unter dem Menüpunkt “Analysen” werden einige Themen näher behandelt, die nicht unmittelbar auf Ereignisse bezogen sind.

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Riehn, Berlin, 3. März 2021.

Anhang: Lageplan Universität mit Universitätsklinikum (Auszug aus dem Hochschulführer 1967, herausgegeben von der Frankfurter Studentenschaft